Dokumentation https://bw.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Dokumentationen. de Copyright Sun, 21 Apr 2024 14:16:09 +0200 Sun, 21 Apr 2024 14:16:09 +0200 TYPO3 Dokumentation https://bw.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://bw.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Dokumentationen. news-51905 Tue, 16 Apr 2024 17:31:25 +0200 Neosouveränität https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51905 Nigers Weg zur Selbstbestimmung? Mit Moussa Tchangari und Lisa Tschörner. Juli 2023: Nach Mali und Burkina Faso putscht auch in Niger das Militär. Der Westen verurteilt diesen «Putsch zu viel» und stellt die Zahlung an Hilfsgeldern ein, was ein riesiges Loch in die Staatskasse Nigers reißt. Die nigrische Militärregierung bricht mit der alten Kolonialmacht Frankreich, tritt aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) aus und verbreitet Aufbruchsstimmung. Auch das Aufheben des stark kritisierten Migrationsgesetzes 036-2015 macht vielen Nigrer*innen Hoffnung auf einen endlich souveränen Staat. Deutsche Medien dagegen warnen vor wachsendem russischen Einfluss im Land und seinen Nachbarstaaten.

Inwiefern löst die Regierung von Brigadegeneral Abdourahamane Tiani ihr Versprechen neuer Souveränität ein? Was hat sich seit dem Coup geändert und wer profitiert davon? Welche Beziehungen zwischen Niger und der Europäischen Union bzw. Deutschland sind wahrscheinlich?
Diese und weitere Fragen diskutieren Moussa Tchangari (Alternative Espace Citoyens) und Lisa Tschörner (Stiftung Wissenschaft und Politik).

Eine Kooperationsveranstaltung von medico international und Rosa-Luxemburg-Stiftung

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news-51904 Tue, 16 Apr 2024 17:10:15 +0200 Herausforderungen der Lehramtsausbildung https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51904 Zur praktischen Umsetzung im neu gegründeten Lehramt Grundschule der BTU Cottbus in Senftenberg Das Bildungssystem in Deutschland steht vor gewaltigen Herausforderungen: zum einen verfehlen inzwischen fast 25% der Grundschüler*innen die Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen, zum anderen gelingt es nicht, den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg aufzuheben oder wenigstens abzumildern. Vor dem Hintergrund eines inzwischen dramatischen und noch weiter anhaltenden Mangels von voll ausgebildeten Lehrkräften an Deutschlands Schulen, den hohen Schwundquoten im Lehramtsstudium und der anhaltenden Kritik an einer unzureichenden Verzahnung universitärer Lehramtsausbildung mit der Praxis (Vorbereitungsdienst) und beruflicher Weiterbildung gerät die Lehramtsausbildung zunehmend in den Focus von Wissenschaft und Politik. So haben kürzlich die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz (KMK), der Stifterverband und der «Bildungsrat von unten» Empfehlungen für die Lehrkräftebildung abgegeben.

Auch die Rosa Luxemburg Stiftung hat eine Studie zu diesem Thema in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse auf der Veranstaltung präsentiert und diskutiert werden sollen.

Und während Wissenschaft und Politik noch über überfällige Reformen der Lehramtsausbildung diskutieren, hat die BTU Cottbus an ihrem Standort Senftenberg in nur 10 Monaten einen neuen Studiengang «Lehramt Primarstufe» eingerichtet, dessen Nachfrage deutlich über dem Angebot an Studienplätzen lag. Neu an diesem Studiengang ist die starke Verbindung von Theorie und Praxis (an Partnerschulen der Region) sowie die Etablierung eines dualen Masterstudiengangs zum Wintersemester 2026/27.

Auf dieser Veranstaltung hat Mark Rackles, Autor der Studie, einen Vortrag zu der aktuellen Praxis sowie Herausforderungen und Empfehlungen in der Lehramtsausbildung gehalten.

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news-51852 Wed, 03 Apr 2024 11:30:17 +0200 Eine kleine (kritische) Geschichte der EU https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51852 Webinar mit Janis Ehling Am 9. Juni 2024 findet in Deutschland die Wahl zum Europäischen Parlament statt. In linken Diskussionen wurde lange abstrakt über ein grundsätzliches «Ja» oder «Nein» zur Europäischen Union gestritten. In ihrer Geschichte war die EU stets ein Kampffeld zwischen Konservativen, Linken und Liberalen. Die EU war weder als Friedensprojekt geplant, noch ist sie heute einfach nur «undemokratisch und neoliberal». Heute haben wir im Ergebnis eine EU mit vielen Gesichtern - von neoliberal bis sozialdemokratisch. In diesem Webinar vermitteln wir grundlegende Kenntnisse über die Entstehungsgeschichte der EU und schauen aus kritischer, linker Perspektive, welche Erkenntnisse sich daraus für die Gegenwart ziehen lassen. Denn Ereignisse wie der Brexit, die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine könnten das Gesicht der EU erneut verändern.

Das Webinar wird geleitet von Janis Ehling, Politikwissenschaftler und Mitglied im Parteivorstand von DIE LINKE und promoviert derzeit an der Philipps-Universität Marburg.

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news-51841 Wed, 27 Mar 2024 15:10:43 +0100 RE:BORDERS: Eine Anklage https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51841 Dokumentation der künstlerischen Ausstellung zu Fluchtgeschichten und Grenzerfahrungen In der Zeit vom 23. Februar bis zum 3. März 2024 fand im Projekttraum des Berliner Kunstquartier Bethanien die Debütausstellung des kuratorischen Re:Borders-Kollektivs statt.

Unter dem Titel «RE:BORDERS - Eine Anklage» erkundete das Kollektiv die Schnittstellen zwischen Bildender Kunst, politischer Bildungsarbeit und transmedialem Happening. Die Ausstellung lud sieben Künstler*innen ein, sich im Kontext des allgegenwärtigen Migrationsdiskurses zu positionieren. Mittels Dokumentarfotografie, Videoarbeiten, begehbaren Installationen, Performance und textbasierter Kunst entstanden multiperspektivische Darstellungen, die persönliche Fluchtgeschichten und Grenzerfahrungen beleuchteten.

Webseite: www.reborders.org
Instagram: @reborders2024
Kontakt: info@reborders.org

Die Werke in der Gruppenausstellung boten Raum für Wut, Schmerz und Verzweiflung, aber auch für Mut, Hoffnung und Selbstbestimmung. Sie traten entschlossen dem Schweigen entgegen, indem sie das Unsichtbare erzählten und das Unsagbare zeigten. Die beteiligten Künstler*innen – Parwana Amiri, Salih Basheer, Vincent Haiges, Michél Kekulé, Özlem Sarıyıldız, Abou Bakar Sidibé und Chiara Wettmann – thematisierten Krieg, Flucht, Vertreibung und Menschenrechte und gipfelten in einem gemeinsamen Aufschrei gegenüber der Migrationspolitik der EU. Ein eigens verfasstes Manifest forderte die Öffentlichkeit zum Nachdenken und Handeln auf.

Das Kollektiv, dessen künstlerische Leitung von der Autorin Kasia Wojcik und dem Fotografen Michél Kekulé übernommen wurde, begleitete RE:BORDERS mit einer Social-Media-Kampagne. Dabei untersuchten sie die polarisierende Frage, inwiefern politisch motivierte Kunst die zukünftige Realität beeinflussen sollte oder ob sie sich auf Darstellungs- und Erinnerungsarbeit beschränken sollte. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Austausch, der Vernetzung und der Gemeinschaft von Akteur*innen.

Das Programm umfasste neben der sehr gut besuchten Vernissage Panel Talks, Filmvorführungen und eine Buchvorstellung, die die Diskussionen über die Themen der Ausstellung vertieften. Gäste dieser Formate waren unter anderem die Bundestagsabgeordnete Clara Bünger, der Autor und Aktivist Imad Al Suliman und der Journalist Christian Jakob, sowie Vertreter*innen von Sea-Watch, Solidarity With Refugees in Libya, Amnesty International und viele mehr. Durch die vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen und die klare politische Botschaft trug das Re:Borders-Kollektiv zur Sensibilisierung und Mobilisierung einer breiten Öffentlichkeit bei.

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news-51860 Tue, 12 Mar 2024 18:00:00 +0100 Reisende und Bittere Brunnen der Weltrevolution https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51860 Ein Gespräch mit Brigitte Studer und Regina Scheer 2020 veröffentlichte die Schweizer Historikerin Brigitte Studer ihre «Globalgeschichte der Kommunistischen Internationale». Mit analytisch geschärftem wissenschaftlichen Blick zeichnet sie das Leben von «Reisenden der Weltrevolution» nach. Menschen vieler Länder, für die Revolution von 1919-1943 «Arbeit» war – mit der Komintern als ihrer Arbeitgeberin. Drei Jahre später erscheint von Regina Scheer mit «Bittere Brunnen» eine sehr persönlich erzählte Biographie, die das außergewöhnliche Leben von Hertha Gordon-Walcher (1894-1990) verfolgt und dabei zugleich «eine Chronik der sozialistischen und feministischen Bewegungen im 20. Jahrhundert» ist – so die Jury zum Preis der Leipziger Buchmesse. Zwei fulminante Bücher, so unterschiedlich in ihrer Anlage und aus ganz verschiedenem Genre, ihre Themen aber ähneln und die Lebenswege ihrer Protagonist*innen kreuzen sich.

Wir haben beide Autorinnen eingeladen, mit uns über ihre Forschungsarbeit und ihre Arbeitsweise zu sprechen – und was es für sie bedeutet, die Geschichte des Kommunismus zu ergründen.

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news-51414 Mon, 18 Dec 2023 11:34:00 +0100 Europa den Räten! https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51414 «Alle reden von Räten, wir probieren sie!» «Europa den Räten» – unter diesem Titel veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit der Volksbühne Berlin vom 8. bis 11. November 2023 einen dreitägigen Kongress, auf dem über die antifaschistischen Traditionen und demokratischen Zukunftspotentiale Europas debattiert wurde.

Zusammen mit internationalen Gästen, Aktivist*innen aus sozialen Bewegungen und prominenten Vertreter*innen der Partei Die Linke wurde in rund 30 Einzelveranstaltungen zu Themen wie  dem antifaschistischer Widerstand, dem Aufstieg der Neuen Rechten und ihrer internationalen Netzwerke, den Möglichkeiten solidarischen Wirtschaftens, der jüdisch-sozialistischen Tradition, der vielfachen Bedeutung des 9. November und insbesondere den Möglichkeiten einer Demokratisierung der Europäischen Union diskutiert.

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news-51375 Wed, 06 Dec 2023 12:15:34 +0100 Wohnen klimagerecht organisieren https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51375 Dokumentation der Werkstatt vom Gesprächskreis Stadtpolitik, dem Arbeitskreis Organizing und der Fachgruppe Energiepolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Schlecht sanierte Häuser und alte Heizsysteme sind nicht nur ein Problem für das Klima, sondern vor allem für diejenigen, die darin wohnen. Heiße Wohnungen im Sommer, zugige Winter, Schimmelbildung, stotternde Heizungen oder wenig Behaglichkeit sind das eine – hohe Heizkosten-Nachforderungen das andere. Die fallen in diesem Jahr fast ein Drittel höher aus als im Vorjahr, zeigen aktuelle Zahlen.

Trotz dieser Dringlichkeit war Klimaschutz beim Wohnen lange ein Nischenthema. Auseinandersetzungen drehten sich vor allem vor Ort um die Kosten einzelner energetischer Sanierungen. Erst der Heizungsstreit der Bundesregierung im Frühling und Sommer hat das Thema ganz nach oben auf die politische Agenda gesetzt – und durch das Gegeneinander-Ausspielen von sozialen gegen klimapolitische Notwendigkeiten der Wärmewende einen Bärendienst erwiesen.

Wie aber kann Wohnen klimaneutral und gleichzeitig bezahlbar werden – und was muss dafür passieren? Diese Fragen brachte am 10. bis 12. November 2023 etwa einhundert Aktive aus der Mieten- und der Klimabewegung, aus Wissenschaft, Politik und Verbänden zur Werkstatt „Wohnen klimagerecht Organisieren“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen. Ein erster Bericht über die dort geführten Debatten ist bereits als Radiobetrag erschienen.

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news-51356 Mon, 04 Dec 2023 14:22:38 +0100 Geschlecht und Revolution https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51356 Podiumsgespräch zwischen Luise Meier (Berlin) und Klaus Theweleit (Freiburg)

Ein Gespräch mit Klaus Theweleit und Luise Meier im Rahmen der Konferenz
«1923. Sattelzeit der Revolution – Umbrüche in Politik, Kultur und radikaler Gesellschaftskritik»

1923 war auch ein Schicksals- und Wendejahr linker Theorie und Praxis: Im letzten Scheitern der Revolution und angesichts faschistischer Putsche muss die Linke sich auf nicht- oder gegenrevolutionäre Zeiten einstellen. In der Theoriebildung wirkt sich das zunächst einmal produktiv aus. Eine komplexe und vielstimmige Debatte entsteht, mit Lukács' «Geschichte und Klassenbewusstsein» und Korschs «Marxismus und Revolution» erscheinen Werke, die später als Geburtsurkunden des «westlichen» oder des «Neo-Marxismus» gelesen werden. Linke politische Praxis hingegen wird marginalisiert, begibt sich in den Rahmen des parlamentarischen Systems oder beugt sich zugleich Vorgaben aus Moskau. Die faschistische Bewegung übernimmt die Initiative.

Welche Rolle spielen in dieser widersprüchlichen Situation die Geschlechter, die Körper, die Lüste? Diese Frage wollen wir mit Klaus Theweleit und Luise Meier diskutieren. In seinen «Männerphantasien» hat Klaus Theweleit vor fast einem halben Jahrhundert gezeigt, dass der Sieg der Konterrevolution und der Aufstieg des Faschismus auch als geschlechterpolitische und psychodynamische Bewegung verstanden werden muss. Aber steht der „soldatische Mann“ immer nur rechts? Wie sehen die Geschlechter- und Körpermodelle der Linken aus? Luise Meier vertritt die These, dass es hier im Zeichen des «Proletkult» auch Öffnungen und Ent-Härtungen gegeben hat, wie zart und ephemer diese auch gewesen sein mögen. Die Linke hat sich im abgelaufenen Jahrhundert immer wieder und durchaus widersprüchlich auf die revolutionäre Sattelzeit von 1923 bezogen. Wir wollen die Diskussion also nicht nur historisch führen, sondern auch mit Blick auf unsere Gegenwart und den Wandel im Lauf der vergangenen 100 Jahre.

  • Klaus Theweleit, geb. 1942, war im SDS aktiv. Mit dem zweibändigen Werk «Männerphantasien», erschienen 1977/78 im Verlag Roter Stern/Stroemfeld, hat er die Theoriedebatte der BRD revolutioniert. In seinen vielbändigen Buchzyklen «Das Buch der Könige» und «Pocahontas» hat er die Geschichten und Gegengeschichten männlicher und kolonialer Herrschaft in Kunst, Kultur und Politik aufgezeichnet. Sein Werk erscheint seit 2019 bei Matthes und Seitz Berlin.
  • Luise Meier, geb. 1985, ist freie Autorin, Theatermacherin, Dramaturgin und Performerin. 2018 erschien bei Matthes und Seitz Berlin ihr Buch «MRX Maschine«. Derzeit arbeitet Meier an dem Essay «Proletkult vs. neoliberale Denkpanzer» sowie an einem utopischen Near-Future/Science-Fiction-Romanprojekt, das 2024 erscheinen wird. 
  • Moderation: Patrick Eiden-Offe (ZfL, Berlin)
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news-51117 Thu, 12 Oct 2023 14:43:05 +0200 KoPoKon23 in Weimar https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51117 Bericht von der zweiten Kommunalpolitischen Konferenz

Im September 2023 fand zum zweiten Mal die Kommunalpolitische Konferenz statt. Veranstaltet wurde sie diesmal in Weimar gemeinsam von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, den Thüringengestaltern sowie den Fraktionen DIE LINKE im Bundestag, im Landtag Thüringen und im Stadtrat Weimar. Austragungsort der Konferenz war das mon ami, ein großes Jugend- und Kulturzentrum mitten in der Innenstadt am Goetheplatz.

Die Kommunalpolitische Konferenz (KoPoKon) ist ein Format zur Weiterbildung, Vernetzung und Austausch für kommunal Aktive aus großer Stadt und flachem Land, aus dem hohen Norden und dem bergigen Süden, mit viel oder wenig politischer Erfahrung, aber mit einem großen Herz für kommunale Politik. Neben vielfältigen Workshops und Fortbildungen zu linken (kommunal-)politischen Themen bot die KoPoKon vor allem einen Raum für Erfahrungsaustausch, Diskussionen, Ideenentwicklung und Begegnung. Das diverse Programm hatte für jede und jeden passende Angebote parat.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Vernetzung. Nachmittags gab es verschiedene Treffen der Kommunalpolitischen Sprecher*innen und Foren, außerdem konnte die Umgebung bei einem politischen Stadtspaziergang durch Weimar erkundet werden. Abends fand die offizielle Begrüßung im großen Saal statt. Für ein interaktives Kennenlernen sorgten anregende Impulse für Gespräche und eine anschließende Quiz-Night mit Fragen von linken Held*innen und Pop-Kultur, über kommunalpolitisches Fachwissen bis hin zu Anekdoten des Alltags. Den Abend konnte man mit Kaltgetränken im Café des mon ami ausklingen lassen.

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news-51049 Thu, 12 Oct 2023 14:28:00 +0200 «Der Streik hat mir geholfen als junger Mensch Kraft aufzubauen» https://bw.rosalux.de/dokumentation/id/51049 Dokumentation zur Tagung «Gelingende und misslingende Solidarisierungen – 50 Jahre spontane Streiks» «Für mich war die ganze Aktion, der ganze Streik ein Wendepunkt. Für vieles». So erinnert Mitat Özdemir sich an die Streiktage im Sommer 1973. Der 1948 in der Türkei geborene war zur Zeit des Streiks bei Ford in Köln in den Wohnheimen des Konzerns als Sozialbetreuer tätig. Er erwähnt auch die Kraft, die nicht nur ihm der Streik für sein Leben, im Grunde bis heute, gab.

Aber sind solche Erinnerungen Teil des offiziellen Gedächtnisses der Bundesrepublik, Erinnerungen von damals «Gastarbeiter» genannten Migrant*innen? Erst recht fehlt die Erinnerung an Arbeits- und andere Kämpfe von Migrant*innen, und eine Debatte darüber, welche Wirkung und Folgen diese auf die Gesellschaft hatten und haben.

Die Tagung «Gelingende und misslingende Solidarisierungen» Anfang September in Düsseldorf widmete sich den Fragen von «Anerkennungskämpfen der Migration», von Gemeinsamkeiten und Interessenkonflikten zwischen «einheimischen» und eingewanderten Arbeiter*innen. Zum einen wurde an die stark, aber keineswegs ausschließlich migrantisch geprägten «spontanen» Streiks nicht nur des Sommers 1973 erinnert (vgl. dazu den Beitrag von Simon Goeke). Genauso ging es zum anderen um die Wirkungen dieses Engagements von Einwanderer*innen auf die Gewerkschaften (vgl. dazu die Beiträge von Nihat Öztürk und Christiane Benner). Nicht zuletzt stellt sich die Frage, inwieweit sich heute auch für aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen produktiv daran anknüpfen lässt.

Ziel war es, Themen, Zugänge und Zielgruppen zu verbinden: Historische Erinnerung und die Würdigung von Zeitzeug*innen im Austausch mit Forschenden und Interessierten; Geschichts- und Erinnerungsfragen mit Gewerkschaftsthemen; Migrationsfragen mit aktuellen Arbeits- und Klassenthemen.

Die zweitägige Veranstaltung begann am Freitagabend mit einer Begrüßung durch Nuria Cafarao und Salvador Oberhaus von der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW und einem Grußwort von Andres Lara, einem spanischen Arbeiter bei Opel Bochum, der dort in den Betriebskämpfen 1972 einer der Aktivisten war. Anschließend präsentierten Mesut Bayraktar, Günfer Cölgeçen, Burçin Keskin, Lily Frank, Kutlu Yurtseven, Kaptan Bayraktar und Svenja Hauerstein die «Gastarbeiter-Monologe».

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