28. Juni 2020 Tagung/Konferenz Ökologie und Sozialismus

Theodor Bergmann Lectures 2020

Information

Veranstaltungsort

Clara-Zetkin-Haus
Gorch-Fock-Str. 26
70619 Stuttgart

Zeit

28.06.2020, 10:00 - 17:00 Uhr

Themenbereiche

Demokratischer Sozialismus, Kapitalismusanalyse, Sozialökologischer Umbau

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Ökologie und Sozialismus

Im Gedenken an unseren am 12. Juni 2017 verstorbenen Freund und Mitstreiter Theodor Bergmann und zu seinen Ehren richtet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg jährlich im zeitlichen Umfeld seines Todestages eine wissenschaftlich-politische Tagung unter dem Titel Theodor Bergmann Lectures aus. Theodor Bergmann war Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim, zeitlebens kritischer Kommunist, Gründungsmitglied der PDS in Baden-Württemberg und Ehrenmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg. Als jemand, der vor den Nazis flüchten und im Exil in Palästina, der Tschechoslowakischen Republik und in Schweden leben musste, ehe er 1946 wieder ins befreite Deutschland zurückkehren konnte, war er zeilebens ein entschiedener Kämpfer gegen alte und neue Nazis. Und er war, als kritischer Kommunist, und ehemaliges Mitglied der antistalinistischen KPO (Kommunistische Partei-Opposition), zeitlebens ein entschiedener Kämpfer gegen alle Formen des Stalinismus in der Arbeiterbewegung und für die Rehabilitierung der Opfer des Stalin-Terrors. Theodor Bergmann war bis zum Ende seines Lebens Optimist, schrieb, arbeitete und glaubte an einen demokratischen Sozialismus, in dem die «freie Entfaltung des Einzelnen die Bedingung der freien Entfaltung aller ist» getreu seinem Lebensmotto «Dann fangen wir von vorne an!».

Im Gedenken an unseren am 12. Juni 2017 verstorbenen Freund und Mitstreiter Theodor Bergmann richtet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg jährlich im zeitlichen Umfeld seines Todestages eine wissenschaftlich-politische Tagung unter dem Titel «Theodor Bergmann Lectures» aus. Theodor Bergmann war Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim und forschte intensiv zur Landwirtschaftspolitik in Entwicklungsländern wie Indien und China. 1933 hatte er wegen seiner Tätigkeit in der sozialistischen Bewegung und seiner jüdischen Abstammung aus Deutschland ins Exil fliehen müssen. Nach seiner Rückkehr gründete er die Zeitschrift „Arbeiterpolitik“, wirkte später als unabhängiger Linker und forschte nach seiner Emeritierung zur Geschichte der Oppositionsströmungen, insbesondere der KPD-Opposition. Zeitlebens blieb er ein entschiedener Kämpfer gegen alle Formen des Stalinismus in der Arbeiterbewegung und für die Rehabilitierung der Opfer des Stalin-Terrors. Er war nicht nur Gründungsmitglied der PDS in Baden-Württemberg und Ehrenmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg, selbst als Hundertjähriger trat er in Schulklassen und Jugendzentren auf, um über die Ursachen des Faschismus und seines Erfolgs aufzuklären. Theodor Bergmann war bis zum Ende seines Lebens Optimist getreu seinem Lebensmotto «Dann fangen wir von vorne an!».

2020 beschäftigen sich die «Theodor Bergmann Lectures»  mit dem Verhältnis von Ökologie und Sozialismus.

Organisatorisches
Die Zahl der Teilnehmenden ist aus Platzgründen auf 40 Personen beschränkt. Verbindliche Anmeldung bitte über die Website (oben unter dem button «jetzt anmelden») oder per Email an bawue@rosalux.org). Es wird kein Teilnahmebeitrag erhoben. Freiwillige Kostenbeteiligung durch Spenden ewünscht. Getränke und Snacks werden gestellt. Mittagessen vor Ort auf Selbstkostenbasis.

Zum Inhalt

Weltweit verstärken sich die Auswirkungen der Klimaerwärmung, durch ein auf Wachstum beruhendes, globales Wirtschaftssystem unaufhaltsam vorangetrieben. Weltweit sind die ärmeren Bevölkerungsgruppen am stärksten betroffen. Hoffnungsvoll war demgegenüber der Aufstieg einer – von jungen Menschen getragene – Bewegung für Klimaschutz, die auch in Deutschland die öffentliche Diskussion prägen konnte. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine Überproduktionskrise droht, die schon in ihren Anfängen zu Entlassungen und Angriffen auf die Rechte der Beschäftigten insbesondere in der Industrie führt. Diese ökonomisch-ökologische Krise stellt die Linke vor Herausforderungen, birgt aber auch Chancen. Wie kann es gelingen für ökologische und soziale Nachhaltigkeit zugleich zu kämpfen? Welche Akteure sind die Protagonisten*innen einer solchen ökologisch-antikapitalistischen Bewegung? Anhand welcher Themen kann der Konflikt geführt werden und was für konkrete programmatische Ziele soll linke Politik dabei verfolgen? Im Gedenken an unseren 2017 verstorbenen Freund Theo Bergmann möchten wir diese Fragen diskutieren.

  • 10:00 Uhr | Begrüßung durch Erhard Korn (Vorstitzender der RLS Ba-Wü)
  • 10:15 Uhr | «Engels' Naturdialektik-Projekt im Lichte der ökosozialistischen Herausforderung» mit Prof. Wolfgang Fritz Haug
    Es fügt sich, dass das Engels-200-Jahr mit neuer Aktualität des Naturdialektik-Komplexes zusammentrifft. Aus diesem Anlass gilt es, einige Blicke zurück auf Geschichte und Rezeption dieses unvollendeten Projektes von Engels zu werfen und mit den aktuell diskutierten Grundfragen ökologischer Theorie im Anschluss an Marx und Engels die Beziehung zu setzen. Hintergrund bilden die Forschungen im Zusammenhang mit der Abfassung des Artikels «Naturdialektik» für Bd. 9/II («Mitleid» bis «Nazismus») des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus.
  • 11:15 Uhr | «Klimawandel und internationale Politik - Globales Problem, ungleiche nationale Betroffenheit, ungleiche Reaktionen» mit Prof. John P. Neelsen
    Der Soziologe John P. Neelsen beleuchtet in seinem Beitrag die Auswirkungen des Klimawandels auf die Staaten des globalen Nordens bzw. Südens: Trugen langjährige Trockenheit und Ernährungsunsicherheit zum arabischer Frühling bei, lösten Benzinpreiserhöhungen die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich aus. International droht zwischen Äthiopien und Ägypten ein erster Krieg um Wasser. Zunehmender Wassermangel gefährden existentiell Stromerzeugung und Bewässerung. Der jüngste «Global Risk Report» des Weltwirtschaftsforums listet Klimawandel und Umweltdegradierung als wichtigste, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Kohäsion und politische Stabilität bedrohende Faktoren auf. John Neelsen macht deutlich, wie die «Menschheitsaufgabe» (Merkel) Klimawandel zunehmend Nationalinteressen untergeordnet wird und Grundsatzfragen von Entwicklung und Marktwirtschaft unter dem Druck des globalen Nordens marginalisiert werden.
  • 12:15 Uhr | «Fridays for Future – Innenansicht einer Protestbewegung» mit Markus Moskau
    Mit Fridays for future ist 2019 eine beeindruckende globale Klimabewegung entstanden, deren Protagonist*innen viele junge Menschen, Schüler*innen und viele Frauen sind. Unter dem Dach und dem Symbol von FFF haben aber auch Wissenschaftler*innen, Studierende eine Ausdrucksform gefunden. Fridays for Future und die neuen Welle von Klimaprotesten haben erfolgreich den öffentlichen Diskurs geprägt und Druck auf Politik und Wirtschaft erzeugt. Markus Moskau, führender Aktivist von FFF in Ludwigsburg und aktiv in der Partei DIE LINKE berichtet über die Organisationsform und Debatten innerhalb von FFF. Besondere Beachtung finden dabei auch die Frage, wie die Akteure das Verhältnis von Ökologie und sozialer Frage reflektieren und was dies für LINKE Politik bedeuten könnte.
  • 14:00 Uhr | «Mobilitätswende – ein zentrales sozial-ökologisches Konfliktfeld» mit  Mario Candeias
    Der Verkehrssektor ist einer der größten Emittenten von Treibhausgasen. Gleichzeitig ist das Mobilitätssystem mit der Dominanz des privaten PKW aufs engste mit einer deutschen Leitindustrie  verwoben, was sich in Stadtplanung, Besteuerung, Subventionen und anderen Formen der politischen Steuerung niederschlägt. Steigende Zahlen von PKW mit immer höherem Gewicht und PS-Zahlen, Schadstoffbelastung und Staus in den Städten auf der einen Seite und ausgedünnte Infrastruktur des ÖV zeigen eine Dysfunktionalität der heutigen Mobilität, die radikal gewandelt werden muss. Zugleich stellt der nötige Umbau der Automobilwirtschaft eine Herausforderung mit Hinblick auf den sozial gerechten Übergang dar. All dies macht die Mobilitätswende für Mario Candeias, Leiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse bei der RLS zu einem zentralen sozial-ökologischem Transformationskonflikt.
  • 15:00 Uhr | «Der Aktionsplan Klimagerechtigkeit der Linksfraktion als linke Antwort auf die sozial-ökologische Krise»  mit Sabine Leidig
    Im «Aktionsplan Klimagerechtigkeit», einem aktuellen programmatischen Text der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE, verdichtet sich die Diskussion zu konkreten Forderungen und Maßnahmen einer linken Klimapolitik. MdB Sabine Leidig, eine der Verfasserinnen des Aktionsplans, stellt die programmatischen Eckpunkte vor und beleuchtet wie eine linke Klimapolitik soziale und ökologische Probleme gemeinsam lösen will.
  • 16:00 Uhr |  «Klimakrise, Kapitalismus und die kommenden Aufagben der Linken» Abschließende Diskussion mit allen Referent*innen
    Die künftigen Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der Linken angesichts der Klimakrise und sollen in der abschließenden moderierten Diskussion weiter erörtert werden.

Referent*innen

Mario Candeias: Dr. rer. pol., Politikwissenschaftler und Ökonom, Referent für Kapitalismuskritik und Gesellschaftsanalyse und Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse der RLS.
Prof. Wolfgang Fritz Haug: Philosoph, Esslingen. Herausgeber des «Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus» und der Zeitschrift «Das Argument».
Sabine Leidig: Gewerkschafterin im DGB-Baden-Württemberg, ehem. Geschäftsführerin bei Attac, seit 2009 MdB für DIE LINKE und aktuell Mitglied im Verkehrsausschuss mit dem Schwerpunkt Bahn.
Markus Moskau: Aktivist bei Fridys for Future in Ludwigsburg
Prof. John P. Neelsen: Soziologe, Tübingen/Metz. Forschungsschwerpunkte: Politische Ökonomie, Globalisierung, Nord-Süd-Beziehungen, Südostasien; Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Veranstaltung in Kooperation mit dem Clara-Zetkin-Haus

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Telefon: +49 711 99797090