Aktuelle Nachrichten https://bw.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten. de Copyright Tue, 07 Jul 2020 08:36:24 +0200 Tue, 07 Jul 2020 08:36:24 +0200 TYPO3 Aktuelle Nachrichten https://bw.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg https://bw.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten. news-41859 Fri, 03 Jul 2020 11:15:00 +0200 «Spurwechsel» Gerechte Mobilität und alternative Produktion https://bw.rosalux.de/news/id/41859?cHash=79f7f9fc14f0aaa25205df6169b3459f Veranstaltungsreihe zu sozial-ökologischen Mobilitätswende statt Tagung Aktueller Hinweis:  Angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen für Veranstaltungen, werden wir die ursprünglich am 2. und 3. Oktober 2020 in Stuttgart geplante Tagung unter dem Titel «Spurwechsel - Gerechte Mobilität und alternative Produktion» in eine Veranstaltungsreihe umwandeln, die zum Teil online stattfindet und zum Teil aus dezentralen kleineren Veranstaltungen bestehen wird - einige davon auch in Baden-Württemberg/Stuttgart. Dies ist einerseits bedauerlich, andererseits werden wir in den Online-Formaten auch besser in der Lage sein, internationale Aspekte und internationale Diskussionspartner*innen einzubeziehen.

Nähere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie demnächst auf dieser Seite.


Die Klimabewegung um Fridays for Future macht deutlich: Radikale Maßnahmen zum Klimaschutz sind unumgänglich. Dabei gerät besonders der Verkehr in den Blick, der in Deutschland ein Fünftel des CO2-Ausstoßes ausmacht. Andererseits sind viele Mobilitätsbedürfnisse unzureichend erfüllt: Wer Auto fährt, steht Stunden im Stau, der öffentliche Nahverkehr ist überlastet, unterfinanziert, oft nicht barrierefrei, im ländlichen Raum ausgedünnt. Die Beschäftigten sind meist schlecht bezahlt, dieTickets zu teuer. Städtischer Raum wird von Autos beansprucht, Fußgänger- und Radfahrer*innen haben das Nachsehen.

Die Alternative ist nicht einfach mehr Mobilität, sondern bessere: Viele wollen nicht zwangsweise ständig mobil sein, sondern bessere Möglichkeiten haben, um sich ihren Bedürfnissen entsprechend fortzubewegen. Wie sieht gerechte Mobilität für alle mit weniger Verkehr aus? Welche Projekte und Ansätze einer öffentlichen und nachhaltigen Mobilität gibt es? Welche Technologien und Infrastrukturen sind nötig? Wie lassen sich gerechte Übergänge gestalten – auch für Beschäftigte der Autoindustrie?  Wie lassen sich Mehrheiten dafür gewinnen?

Auf dem Feld der Mobilität werden zentrale gesellschaftliche Konflikte ausgetragen. Die Transformation der Autoindustrie ist im vollen Gange, Rationalisierung und Digitalisierung führen zu Arbeitsplatzabbau. Nun kommt die E-Mobilität hinzu. Jenseits einer Antriebswende wird aber von Konversion kaum gesprochen. Dabei braucht eine Mobilitätswende, die auf öffentlichen Verkehr setzt, alternative Produktion jenseits des Autos und ist somit eine Chance zu Sicherung und Aufbau von Beschäftigung. Hier stellen sich Fragen gerechter Übergänge, erweiterter Mitbestimmung, der Investitions- und Innovationslenkung, des Eigentums, kurz: der Wirtschaftsdemokratie.

Es geht um viel: ein nie dagewesenes Investitionspaket in öffentliche, und nachhaltige Infrastruktur, die Mobilität für alle flächendeckend sichert und gleichzeitig gute Arbeit in Industrie und Dienstleistungen schafft, muss durchgesetzt werden. Doch um wirkmächtig zu werden, müssen sich die Akteure zusammen tun. Mit einer Vielzahl von Gästen aus Arbeiter*innen- und Umweltbewegung wollen wir gemeinsame Strategien entwickeln.

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news-41904 Wed, 01 Jul 2020 15:25:00 +0200 Online-Bildungsprogramm https://bw.rosalux.de/news/id/41904?cHash=8c7be36e608e558e51cd8d5d5c04f2b1 Hier finden Sie unsere kommenden Livestreams, Video-Diskussionen und Webinare. Wird laufend aktualisiert. Aufgrund der Bestimmungen zu öffentlichen Veranstaltungen und Begegnungen während der Corona-Krise haben wir vorerst alle Bildungsveranstaltungen bis Ende April abgesagt. Ab wann wieder öffentliche Veranstaltungen möglich sind, kann momentan nicht abgeschätzt werden.

Wir haben uns daher entschieden, einen Teil unserer Veranstaltungen in Form von Livestreams und Online-Video-Diskussionen durchzuführen. Wir veröffentlichen alle Veranstaltungen unseres Online-Bildungsprogramms immer aktuell hier. Die Informationen zum technischen Ablauf sowie Details zur Veranstaltung selbst erfahren Sie, wen Sie auf die jeweilige Veranstaltung klicken.

Online-Bildungsprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Das gesamte Online-Bildungsprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ihrer Landesstiftungen finden Sie hier.

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news-42533 Wed, 01 Jul 2020 08:35:00 +0200 «Was ist links?» - Ein politisches Literaturprojekt https://bw.rosalux.de/news/id/42533?cHash=afc1cd230d9db6e35ae7295e0b369fa2 «Was ist links?» - Junge Autor*innen versuchen sich an einer Antwort - angriffslustig, streitbar, engagiert und literarisch. «Was ist links?» Die Antworten mögen zwischen «Antifa» und «solidarischem Grundeinkommen» liegen; die Frage lässt Spielraum für verschiedenste Deutungen. Wohl kaum jemand kann sie aus dem Stegreif beantworten. Die zwischen/miete – junge Literatur in Stuttgarter WGs - Reihe des Literaurhauses Stuttgart  hat junge Schriftsteller*innen dennoch gebeten, sich Gedanken zu machen und die unterschiedlichsten Texte als Antwort erhalten. Die Autor*innen äußern sich angriffslustig, streitbar, engagiert und literarisch. Sie entladen ihre politische Sprengkraft und greifen aktuelle Debatten zur (Neu-) Orientierung linker Themen und Anker wie Solidarität, Gemeinschaft und politischem Handeln auf.

«Was ist links?» - diese Frage treibt natürlich auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung um. Der «Möglichkeitssinn», den Literatur und Kunst, ohne Rücksicht auf Verluste, der Notwendigkeit, eine unmittelbare «Umsetzungsperspektive» zu bieten, enthoben, zu wecken vermag, verspricht neue und überraschende Perspektiven auf eine uns wohl vertraute Thematik. Aus diesem Grunde war es uns ein Anliegen, das Projekt «Was ist links?», das die Projektgruppe zwischen/miete – junge Literatur in Stuttgarter WGs des Literaturhauses Stuttgart 2018-2020 realisiert hat, als Projektpartnerin zu fördern.

Im Rahmen des Projektes sind folgende Essays entstanden

Ursprünglich war geplant, dass die Essays in Stuttgarter WGs vorgetragen und diskutiert werden. Die aktuellen Umstände in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben dieses Vorhaben vereitelt. Daher finden die Lesungen virtuell statt im Rahmen von Viral - das online Literaturfestival in Zeiten der Quarantäne

Lesetermine des Projekts «Was ist links?» (Online-Lesungen im Livestream)

Weitere Informationen zum Projekt «Was ist links?», zur Reihe «zwischen/miete – junge Literatur in Stuttgarter WGs» sowie zu den Autor*innen der Essays finden Sie hier.

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news-41715 Mon, 22 Jun 2020 17:35:00 +0200 Ökologie und Sozialismus https://bw.rosalux.de/news/id/41715?cHash=46769f0e4eaf428a73fd8e83ea7acd1e Theodor Bergmann Lectures 2020 - Mit Mario Candeias, Wolfgang Fritz Haug, Sabine Leidig, Markus Moskau und John P. Neelsen Im Gedenken an unseren am 12. Juni 2017 verstorbenen Freund und Mitstreiter Theodor Bergmann und zu seinen Ehren richtet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg jährlich im zeitlichen Umfeld seines Todestages eine wissenschaftlich-politische Tagung unter dem Titel Theodor Bergmann Lectures aus. Aus Gründen des Infektionsschutzes finden die «Theodor Bergmann Lectures» 2020 als Online-Veranstaltungsreihe statt.

Teil I: Opening Lecture als Videoaufzeichnung: Wolfgang Fritz Haug: «Eine Kopernikanische Wende der Ökologie? Jason W. Moores weltökologischer Ansatz und die Philosophie der Praxis». Zum Video und zur Vortragsbeschreibung.

Teil II: Sonntag, 28. Juni 2020, 11:00 Uhr: Klima- & Mobilitätswende - Ein sozial-ökologisches Konfliktfeld  -- Livestream Online-Videovortrag & Diskussion mit Sabine Leidig, Mario Candeias & Markus Moskau

Teil III: Dienstag, 30. Juni 2020, 19:00 Uhr: Klimawandel und internationale Politik - Globales Problem, ungleiche nationale Betroffenheit, ungleiche Reaktionen -- Livestream Online-Videovortrag & Diskussion mit Prof. John P. Neelsen

Weltweit verstärken sich die Auswirkungen der Klimaerwärmung, durch ein auf Wachstum beruhendes, globales Wirtschaftssystem unaufhaltsam vorangetrieben. Weltweit sind die ärmeren Bevölkerungsgruppen am stärksten betroffen. Hoffnungsvoll war demgegenüber der Aufstieg einer – von jungen Menschen getragene – Bewegung für Klimaschutz, die auch in Deutschland die öffentliche Diskussion prägen konnte. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine Überproduktionskrise droht, die schon in ihren Anfängen zu Entlassungen und Angriffen auf die Rechte der Beschäftigten insbesondere in der Industrie führt. Diese ökonomisch-ökologische Krise stellt die Linke vor Herausforderungen, birgt aber auch Chancen. Wie kann es gelingen für ökologische und soziale Nachhaltigkeit zugleich zu kämpfen? Welche Akteure sind die Protagonisten*innen einer solchen ökologisch-antikapitalistischen Bewegung? Anhand welcher Themen kann der Konflikt geführt werden und was für konkrete programmatische Ziele soll linke Politik dabei verfolgen? Im Gedenken an unseren 2017 verstorbenen Freund Theo Bergmann möchten wir diese Fragen diskutieren.

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news-41649 Wed, 19 Feb 2020 10:55:45 +0100 Bildungsprogramm März - April 2020 https://bw.rosalux.de/news/id/41649?cHash=846d25b5cc67f9b885308033c689cf0e Wir wünschen Ihnen eine interessante und anregende Lektüre unseres Bildungsprogramms März-April 2020 und würden uns freuen, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen. Wir wünschen Ihnen eine interessante und anregende Lektüre unseres Bildungsprogramms März-April 2020 und würden uns freuen, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

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news-41534 Thu, 23 Jan 2020 13:17:01 +0100 100 Jahre Kapp-Putsch - Reichsregierung im Exil in Stuttgart https://bw.rosalux.de/news/id/41534?cHash=0ec8eaa464fe6dd868e64f07add6cd3f Veranstaltungsreihe anlässlich des Jahrestages des Kapp-Putschs, der am 13. März 1920 begann

100 Jahre Kapp-Putsch - Reichsregierung im Exil in Stuttgart

Am 13. März 2020 jährt sich der Putschversuch von Deutschnationalen, Generälen der Reichswehr und Freikorps gegen die im November 1918 geschaffene Republik, der heute als «Kapp-Putsch» bekannt ist. Obwohl der Putsch an den Rand des Bürgerkriegs führte und die Regierung zur Flucht nach Stuttgart zwang, konnte er nach wenigen Tagen niedergeschlagen werden. Der Kapp-Putsch und sein Jahrestag stehen exemplarisch als Warnung vor der Gefahr durch antidemokratische Kräfte. Zugleich erinnert seine Niederwerfung auch daran, wie ein geeintes Vorgehen der Arbeiterbewegung die Gefahr bannen konnte: Der größte Streik, den Deutschland je gesehen hat erstickte den Putsch nach 5 Tagen im Keim. Zugleich gilt es mahnend daran zu erinnern, dass bereits kurz nach der Beendigung des Putsches Reichsregierung zusammen mit den Truppen, die geputscht hatten die Verteidiger der Republik - wie z.B. die «Rote Ruhrarmee» - blutig niederschlugen und so die Arbeiterbewegung nachhaltig schwächten. Mit zwei historischen Stadtführungen und einer Lesung (an einem historischem Veranstaltungsort) wollen wir die Geschehnisse um den Kapp-Putsch ins Bewusstsein bringen und auch die Bezüge zu Stuttgart herausarbeiten.

Mo., 16. März 2020, 17:00 - 18:00 Uhr | Der Kapp-Putsch in Stuttgart
Stadtführung Mit Erhard Korn (Vorstitzender der RLS Ba-Wü)
Treffpunkt vor dem alten Bahnhofseingang (heute Metropol-Kino) in der Bolzstraße 10 Nähe Schlossplatz

Di., 24. März 2020, 18:30 - 19:30 Uhr | Der Kapp-Putsch in Stuttgart
Stadtführung Mit Erhard Korn (Vorstitzender der RLS Ba-Wü)
Treffpunkt vor dem alten Bahnhofseingang (heute Metropol-Kino) in der Bolzstraße 10 Nähe Schlossplatz

Vor dem «Kapp-Putsch“ floh die Reichsregierung Ebert-Noske am 15.3.1919 nach Stuttgart, wo im Kunstgebäude am Schlossplatz auch die Nationalversammlung tagen musste und Stuttgart zum «politischen Mittelpunkt Deutschlands» wurde. Während Einwohnerwehren, Bürgerpartei sowie die meisten Offiziere den Putsch unterstützten , verteidigte die Stuttgarter Gewerkschaften und Arbeiterparteien die Republik durch einen Generalstreik und bildeten einen «Arbeiterrat Groß-Stuttgart».

Erhard Korn ist Vositzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.

Di., 24. März 2020, 20:00 bis 22:00 Uhr | Kapp-Putsch 1920 - Abwehrkämpfe - Rote Ruhrarmee
Lesung & Gespräch Mit Klaus Gietinger (Sozialwissenschaftler, Autor, Filmemacher)
Kino CINEMA, Königstraße 22, 70173 Stuttgart

Der Autor und Filmemacher Klaus Gietinger trägt aus seinem eben erschienenen Buch zum Kapp-Putsch vor. Dort zeichnet er die Geschichte des Umsturzversuchs nach und liefert bislang kaum bekannte Fakten und Hintergründe. Es ist ein fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte, das jedoch fast so wichtig erscheint, wie die Novemberrevolution 1918. Über die historische Rekonstruktion hinaus ordnet der Autos den Kapp-Putsch ein als «die letzte vergebene Chance, zu einer gesicherten Demokratie zu kommen, die eines nicht haben durfte, eine ihr feindlich gesinnte Armee und Verwaltung. Es war auch die letzte Chance der Arbeiterbewegung, zu ihrem Recht zu kommen.»

Klaus Gietinger ist Drehbuchautor, Filmregisseur und Sozialwissenschaftler. Er ist Autor zahlreicher Bücher. In seinem Buch «Eine Leiche im Landwehrkanal» brachte er wichtige Fakten zu den Hintergründen der Ermordung von Rosa Luxemburgs zutage.

Der Marquardtbau am Schlossplatz, der heute u.a. das CINEMA beherbergt, war früher das Hotel am alten Hauptbahnhof, in dem viele Mitglieder, der nach Stuttgart geflohenen Reichsregierung untergebracht waren. Zu Beginn der Veranstaltung wird Journalist und Stadtflaneur Joe Bauer kurz die Geschichte des Veranstaltungsortes darstellen.

Veranstaltung in Kooperation von
Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg
Die FrAKTION LINKE SÖS Piraten Tierschutz
DGB Stadtverband Stuttgart
Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften
Schmetterling Verlag

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news-41517 Tue, 21 Jan 2020 07:03:07 +0100 Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale https://bw.rosalux.de/news/id/41517?cHash=7f9490c967cbc189ad451dc350e1500c Bericht zur Eröffnung der Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Geschichte und Politik der Treuhand in Heidelberg Am 13. Januar 2020 wurde in der Aula der Pädagogischen Hochschule Heidelberg die Wanderausstellung «Schicksal Treuhand – Treuhand Schicksale» der Rosa-Luxemburg-Stiftung eröffnet.

Nach der musikalischen Einleitung durch das PH-A-Cappella Ensemble, die «PolyPHonics», ergriff Stephanie Wiese-Heß das Wort. Die Kanzlerin der Hochschule begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und Redner, die sie  kurz vorstellte. Zudem zeigte sie sich erfreut, die Wanderausstellung erstmals an einem Standort der «alten Bundesrepublik» präsentieren und so ein Forum für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven der deutschen Wiedervereinigung bieten zu können.

In Vertretung der kurzfristig erkrankten Vorstandsvorsitzenden der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, trat Alexander Schlager, Büroleiter des Regionalbüros Stuttgart und Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg, ans Mikrofon. Herr Schlager, der in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bettina Degner, Professorin für Geschichte und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule, die Ausstellung an die Hochschule brachte, bedankte sich zunächst bei den beteiligten Institutionen sowie allen übrigen Beteiligten. Schlager erläuterte dann das Ausstellungskonzept. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung habe sich bewusst dafür entschieden, in der Ausstellung ostdeutsche Lebensgeschichten zu erzählen, die durch die Politik der Treuhand mitbestimmt wurden – nicht, weil dies die einzige und «richtige» Sicht auf die Geschichte (und die Gegenwart) sei, sondern weil es eine Sicht sei, die medial und in der Öffentlichkeit oftmals zu wenig vorkomme. Die Ausstellung verfolge das Ziel, die Schicksale der Menschen in den Vordergrund zu rücken und die oftmals existentiellen Konsequenzen spürbar und nachempfindbar zu machen, die ein «schockartiger» und zu wenig sozial abgefederter Transformationsprozess von der sozialistischen Planwirtschaft in die kapitalistische Marktwirtschaft für sie hatte. Das Thema sei auch für ein Publikum in den «alten Bundesländern» der Bundesrepublik von Interesse, denn für ein gegenseitiges Verständnis und für die Überwindung der nach wie vor bestehenden Spaltung zwischen Ost und West in Mentalitäten, politischer Kultur und ökonomischer Entwicklung sei es wichtig, sich mit diesem Kapitel deutscher Geschichte und ihren Konsequenzen für die betroffenen Menschen zu beschäftigen. Das Thema, so Alexander Schlager, sei nicht zuletzt deswegen hochaktuell, weil der zwingend erforderliche sozial-ökologische Wandel durch die Dekarbonisierung der Wirtschaft und die radikale Veränderung individueller und kollektiver Mobilität zu weitreichenden Veränderungen in der Produktion und in der Lebensweise der Menschen führen werde, die weitreichende soziale, ökonomische, politische und kulturelle Folgen haben werden. Hier seien die Erfahrungen der Menschen, deren Arbeiten und Leben durch die Politik der Treuhand-Anstalt weitreichende Veränderungen erfahren habe, ein wichtiger Erfahrungsschatz. Und hier könnten und müssten aus den Fehlern der Vergangenheit Schlussfolgerungen für die Zukunft gezogen werden. Ohne die Einbeziehung der Beschäftigten und ihrer Vertreter*innen in den Betrieben, und in den Gewerkschaften, ohne starke politische Regulierungen und ohne eine soziale Gestaltung, so Schlager abschließend, könne dieser erforderliche Umbau der Produktions- und Lebensweise nicht gelingen. Ein altes Konzept der politischen und gewerkschaftlichen Linken, die Demokratisierung der Wirtschaft, gewinne hier eine ganz neue Aktualität.

Im Anschluss sprach Prof. Dr. Bettina Degner, Professorin für Geschichte und ihre Didaktik an der PH Heidelberg, über die Ausstellung im Kontext der Lehrer*innebildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Professorin Degner berichtete, dass die Idee, die Ausstellung nach Heidelberg zu holen, aus dem Verschränkungsmodul «30 Jahre Wiedervereinigung in Geschichtskultur und Unterricht» zwischen der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg entstanden sei. Die Bedeutung der Ausstellung für das deutsche Erinnerungsbild, so Degner, sei enorm, denn gerade in den «alten Bundesländern» seien die Folgen des Transformationsprozesses bisher bestenfalls unterbeleuchtet geblieben. Dies liege zum Teil auch daran, dass wenig bis kaum persönliche Berührungspunkte zur Wiedervereinigung bestünden. Die Professorin verdeutlichte dies am Beispiel der Studierenden aus den von ihr und Prof. Dr. Cord Arendes geleiteten Übungen. Lediglich die Eltern einer Studierenden seien ehemalige Bürger der DDR und diese seien eher den «Wendegewinnern» zuzurechnen. Weiterhin kam die Historikerin auf die lange mäßige Bearbeitung der Thematik durch die Geschichtswissenschaft zu sprechen. Die Werke von Marcus Böick «Die Treuhand: Idee – Praxis – Erfahrung 1990-1994» aus dem Jahr 2018 und von Ilko-Sascha Kowalcuk «Die Übernahme: Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde» aus dem Jahr 2019 seien  aber wichtige aktuelle historische Arbeiten zur Materie. Degner zeigte sich indes optimistisch, mittels gemeinsamer Aufarbeitung besonders die «westdeutsche» Wahrnehmung zu sensibilisieren.

Nach Frau Degner war es an Prof. Dr. Cord Arendes, Lehrstuhlinhaber für Angewandte Geschichtswissenschaft – Public History an der Universität Heidelberg, zum Publikum zu sprechen. Arendes ging zunächst auf die Chancen der «Public History» ein, beispielsweise mittels Zeitzeugeninterviews individuelle Erfahrungen für die Geschichtswissenschaft nutzbar zu machen. Zudem berichtete er von seinen persönlichen Berührungspunkten mit der Tätigkeit der Treuhand, die während seines Studiums an der Freien Universität Berlin täglich in Zeitungen und Protesten spürbar gewesen seien. Professor Arendes, der sich mit Marcus Böick während dessen Dissertationstätigkeit zur Treuhand austauschen konnte, verdeutlichte zudem die Notwendigkeit einer verstärkten Behandlung der Thematik durch die Historiographie.

Den Abschluss unter den Rednern machte der Historiker und Zeitzeuge Bernd Gehrke. Er umriss dem Publikum den größeren historischen Rahmen der «Wiedervereinigung» und verwies auf die unterschiedlichen Perspektiven in Ost und West. Dabei machte er anhand zahlreicher Beispiele deutlich, inwieweit die persönlichen Schicksale von ehemaligen DDR-Bürgern und ihre Proteste gegen den Privatisierungsprozess durch die Treuhand von Politik und Medien ignoriert wurden. Gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten von unten seien, so Gehrke, leider größtenteils ungenutzt geblieben und durch die Politik von der Frage der Wiedervereinigung überlagert worden. Die Politik der Treuhand verglich Gehrke mit einer «Schocktherapie» für die DDR-/ostdeutsche Wirtschaft. Die politische Verantwortung für die  Privatisierungs- und Deindustrialisierungspolitik trage die Bundesregierung Helmut Kohls. Schließlich sei die Treuhandanstalt eine der Bundesregierung unterstellte Einrichtung und ihre Leitlinie «Privatisierung vor Sanierung» von der Bundesregierung formuliert gewesen. Die Abwicklung der DDR-Wirtschaft sei der Auftakt des neoliberalen Umbaus ganz Deutschlands gewesen. Vor allem aber versuchte der Redner deutlich zu machen, dass die Ostdeutschen nicht einfach nur Opfer der Treuhandpolitik gewesen waren, sondern vor allem auch Kämpfende gegen die Privatisierungspolitik. Dass dieser Kampf durch die Deindustrialisierung verloren wurde, ändere nichts daran, dass die Jahre zwischen 1990 und 1994 die größte soziale Protestwelle auf dem Gebiet der ehemaligen DDR seit den 1920er Jahren gesehen hätten.

Den musikalischen Ausklang der interessanten und nachdenklich machenden Ausstellungseröffnung bereiteten die «PolyPHonics». Im Anschluss waren alle Anwesenden herzlich eingeladen, die 50 Tafeln der Ausstellung «Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale» in Ruhe zu betrachten, das Glas zu erheben und miteinander über das Gehörte und das zu Sehende ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung wurde von einem Filmteam begleitet, das für die ARD eine Dokumentation erarbeitet zum Thema «Die Treuhand und der Westen». Diese wird voraussichtlich am 2. März abends in der ARD zu sehen sein.

Die Ausstellung kann noch bis zum 11.02.2020 am Standort Keplerstraße 87 der Pädagogischen Hochschule Heidelberg besichtigt werden (Öffnungszeiten: in der Vorlesungszeit 07:00-20:00 Uhr; samstags 09:00-17:00 Uhr; in der vorlesungsfreien Zeit: 07:00-18:00 Uhr).

Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie unter
http://bw.rosalux.de/news/id/41327/schicksal-treuhand
https://www.rosalux.de/publikation/id/40866/schicksal-treuhand

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news-41327 Sat, 14 Dec 2019 19:01:00 +0100 Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale https://bw.rosalux.de/news/id/41327?cHash=767b2f53e4710a61ab1b86d600bdd154 Eine Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Geschichte und Politik der Treuhand Eröffnung am 13. Januar, 18:00 Uhr, Aula der PH Heidelberg (Keplerstr. 87)
Lesung/Gespräch am 03. Februar, 18:00 Uhr, Aula der PH Heidelberg (Keplerstr. 87)
Ausstellungsort: Hauptgang im Erdgeschoß der PH Heidelberg (Keplerstr. 87)
Ausstellungszeit: 13. Januar bis 11. Februar - werktags von 07:00-20:00 Uhr

30 Jahre politische Wende in der DDR, die Grenzöffnung und die deutsche Vereinigung rufen viele Erinnerungen wach. Ein Kapitel beschäftigt die Menschen in Ost und West nach wie vor besonders stark: das Agieren der Treuhandanstalt. Die Perspektiven der Menschen in den «Neuen Bundesländern» auf das Agieren der Treuhandanstalt sind oftmals anders als der Blick der Menschen aus der ehemaligen BRD.  

Laut Gesetz sollte die Treuhand das ehemalige volkseigene Vermögen privatisieren und Arbeitsplätze sichern sowie neue schaffen. Die Realität stellte sich für die Menschen in den «Neuen Bundesländern» oftmals anders dar: Unzählige Betriebe wurden privatisiert oder liquidiert. Millionen Menschen wurden quasi über Nacht arbeitslos und hatten plötzlich Existenzangst. Individuelle Lebensleistungen, berufliche Qualifikationen aus 40 Jahren DDR und die Emanzipationserfahrungen der Jahre 1989/90 schienen nichts mehr wert. Viele haben das Agieren der Treuhand wie einen Schicksalsschlag empfunden, haben ihre Arbeitslosigkeit hingenommen. Wer sich gegen das vermeintliche Schicksal zur Wehr gesetzt, gegen die Betriebsschließung und für seinen Arbeitsplatz gekämpft hatte, sah sich oft damit konfrontiert, dass dieser Einsatz nicht dazu geführt hat, dass die Arbeitsplätze erhalten wurden.

Dieser Wahrnehmung steht eine andere gegenüber, wonach das Handeln der Treuhand ohne realistische Alternative war. Die Betriebsschließungen und die damit verbundenen Entlassungen seien notwendig gewesen, um die Voraussetzungen für eine produktivere Wirtschaftsstruktur zu schaffen, die im Ergebnis mittelfristig dazu geführt habe, das zukunftsfähige Arbeitsplätze und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft entstehen konnten. 30 Jahre nach dem Umbruch 1989/90 könnten sich, bei allen Schwierigkeiten und Härten des ökonomischen Strukturwandels, die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Nicht nur die Geschichte der Jenoptik AG stehe für diesen erfolgreichen Wandel ökonomischer und betrieblicher Strukturen.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat sich bewusst dafür entschieden, in der von ihr konzipierten Wanderausstellung «Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale» ostdeutsche Lebensgeschichten zu erzählen, die durch die Politik der Treuhand mit-bestimmt wurden - nicht, weil dies die einzige «richtige» Sicht auf die Geschichte (und Gegenwart) ist, sondern weil es eine Sicht ist, die medial und in der Öffentlichkeit oftmals unterbelichtet ist. Die Ausstellung fragt anhand der Biografien von Menschen aus 13 ausgewählten Branchen und Betrieben: Welche Auswirkungen hatte das Handeln der Treuhand auf ihr Leben? Wie verarbeiteten sie die biografischen Brüche von Arbeitslosigkeit und der Entwertung ihrer beruflichen Erfahrungen? Wie gingen sie mit den als «Schocktherapie» empfundenen wirtschaftlichen Veränderungen um?

Das Begleitbuch zur Ausstellung «Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale» mit den Erzählungen der Zeitzeug*innen erscheint parallel zur Ausstellung und ist dort kostenlos erhältlich.

Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

Die Ausstellung wird gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg - Fachbereich Geschichte gezeigt.


Ausstellungseröffnung am 13. Januar 2020, 18:00 Uhr | Aula der PH Heidelberg (Keplerstr. 87)
Mit: Stefanie Wiese-Heß (Kanzlerin der PH Heidelberg), Prof. Dr. Bettina Degner (PH Heidelberg), Prof. Dr. Cord Arendes (Uni Heidelberg), Dr. Dagmar Enkelmann (Rosa-Luxemburg-Stiftung), Bernd Gehrke (Zeitzeuge, Historiker). Musik: PolyPHonics - A-Cappella-Ensemble der PH Heidelberg
-> mehr Infos

Lesung/Gespräch am 03. Februar 2020, 18:00 Uhr | Aula der PH Heidelberg (Keplerstr. 87)
Wolfgang Schorlau (Autor der Krimis um den Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler) liest aus seinem Treuhand-Krimi «Die blaue Liste» und spricht mit Hasso Düvel (1991-2004 Bezirksleiter der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen) über Gehörtes, Überhörtes, Unerhörtes und Erstaunliches zum Wirken der Treuhand-Anstalt in den «Neuen Bundesländern».
-> mehr Infos

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news-41372 Wed, 11 Dec 2019 09:17:29 +0100 Veranstaltungsreihe «Smart City – Smart Citizen?» https://bw.rosalux.de/news/id/41372?cHash=ce8602218b44aa97e30f8109ddac10a5 Wie können wir als Bürgerinnen und Bürger Macht entfalten, um die negativen Folgen der Digitalisierung zu reduzieren, ohne dabei aber deren Potentiale für die Ausgestaltung einer aktiven Bürgergesellschaft zu negieren? Ist die Digitalisierung der Gesellschaft eine durch Globalisierung und Standortwettbewerb erzwungene technologische Innovation, an die wir uns als Bürgerinnen und Bürger schlichtweg anzupassen haben? Die zu neuen Spaltungen innerhalb unseres Gemeinwesens und insbesondere auch in der Arbeitswelt führt? Oder handelt es sich um eine soziale Innovation, die wir Bürger und Bürgerinnen unseren Zwecken und Interessen gemäß mit ausgestalten? Unübersehbar ist die anfängliche Euphorie bezüglich mehr Demokratie und Partizipation umgeschlagen in Ernüchterung: Fünf Konzerne beherrschen weltweit den Markt der Digitalisierung und gestalten ihn ihren Gewinninteressen entsprechend. Der privatwirtschaftlich erfolgende Ausbau der 5G-Funknetze verstärkt die Abhängigkeit politischer Institutionen von den Interessen der Wirtschaft. Die Möglichkeiten des Daten-Sammelns und deren wirtschaftlicher Verwertung haben weiter zugenommen, aber auch die Möglichkeiten der Überwachung der Bürger und Bürgerinnen. Schließlich sind die immensen ökologischen Kosten sowohl bezüglich der Produktion wie der Entsorgung digitaler Geräte offensichtlich geworden. Wie können wir als Bürgerinnen und Bürger Macht entfalten, um die negativen Folgen der Digitalisierung zu reduzieren, ohne dabei aber deren Potentiale für die Ausgestaltung einer aktiven Bürgergesellschaft zu negieren? Diese Fragen sollen in den Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe gestellt und gemeinsam diskutiert werden.

Eine Veranstaltungsreihe des Hannah-Arendt-Instituts für politische Gegenwartsfragen Stuttgart (HAIS), attac Schorndorf, die AnStifter Stuttgart und in Kooperation mit dem Württembergischen Kunstverein Stuttgart (WKV) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.

Die Veranstaltungen finden jeweils um 19:30 Uhr im Württembergischen Kunstrverein, Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart statt.

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