14. Oktober 2022 Diskussion/Vortrag Chile unter der neoliberalen Diktatur Pinochets

Wissen und Lieder in der Durchsetzung des Neoliberalismus in Chile

Information

Veranstaltungsort

Linkes Zentrum Offenburg R12
Rammersweierstrasse 12
77665 Offenburg

Zeit

14.10.2022, 19:30 - 22:00 Uhr

Themenbereiche

Andenregion, Gesellschaftstheorie

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Diskussion/ Vortrag mit Pavel Eichinger

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Chile eine Auseinandersetzung um das gesellschaftliche Modell, die 1970 in einem historischen Sieg des linken Wahlbündnisses Unidad Popular und ihrem Kandidaten Salvador Allende mündete. Diese Regierung wurde durch einen Putsch gestürzt. Die anschließende Diktatur Pinochets regierte mit extremer Gewalt das Land bis 1990, dem Jahr, in dem eine durch freie Wahlen gewählte Mitte-Links Regierung die Staatsgeschäfte übernahm. Meine Arbeit beschäftigt sich mit dem Ende der Diktatur und der rapiden Demobilisierung einer Bewegung, die sich über Kampf und Solidarität definiert hat. Dass die Frage nach einer anderen Gesellschaft, die sich in Chile über mehrere Generationen entwickelt hatte, innerhalb von weniger als zwei Jahren plötzlich marginal geworden ist, deutet auf eine grundlegende Veränderung in den kollektiven Richtig-Falsch-Vorstellungen der kämpfenden Gruppen. Welche Veränderungen auf dieser Ebene haben es ermöglicht, das neoliberale Modell der Diktatur in Chile zu legitimieren und in der ausgehandelten Demokratie zu verankern?

In seinem Vortrag rekonstruiert Pavel Eichinger diesen Prozess und analysiert dazu Lieder, die aus der chilenischen Populärmusik hervorgegangen sind und ein zentrales Element der Vermittlung und Aushandlung der kollektiven Selbstverständlichkeiten besagter Bewegung sind. Dabei spielt das «kämpferische Subjekt», damals und heute fester Bestandteil der Selbstwahrnehmung nicht nur der chilenischen Linken, eine herausragende Rolle. Ausgehend von Werken aus der Zeit der Unidad Popular bis zur Postdiktatur werden die verschiedenen Repräsentationen dieser Subjektivität mit den historischen und sozialen Bedingungen, aus denen sie hervorgehen, verbunden. Dabei kommen Aspekte zum Vorschein, die in der Debatte bisher übersehen worden sind. Das Verstehen dieser historischen Niederlage bildet einen wichtigen Ausgangspunkt im Hinblick auf die Gestaltung von gesellschaftlichen Alternativen im heutigen Kontext. Zu wissen, warum eine Bewegung aufgehört hat zu kämpfen, bedeutet auch zu wissen, warum sie gekämpft hat.

Veranstaltung in Kooperation mit der Linken Liste Ortenau

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